Der Perkussionist Ferdinand Rauber ist Toggenburger und mag die Vielfalt der Welt.
Von Elke Wurster Medien Büro Toggenburg (Klangblatt)
Ferdinand Rauber wirkt in Musik-Formationen verschiedener Stilrichtungen mit.
Als Instrumentenbauer hat er zwei Installationen zum Klangweg beigesteuert;
in Klangkursen gibt er weiter, was ihn begeistert.
Er
beschreibt sich als Berufsmusiker und Lebenskünstler und meint damit in
erster Linie seine Unabhängigkeit: «Ich versuche, mein Leben bewusst zu
führen und es ohne Psychiater und Geldgeber zu gestalten. Aus der Natur schöpfe ich Ruhe und Energie.»
Lebensspuren Raubers
Berufslaufbahn begann mit einer Lehre als Werkzeugmacher. Die Klänge
sind erst nach und nach in sein Leben hineingewachsen. Auch Haus und
Garten im kleinen Weiler Rennen im Neckertal haben Schritt um Schritt
Gestalt angenommen. Ums Haus hängen selbstgebaute Windspiele aus
Steinen und Hölzern; Hühner, Katzen und die schwarze Pudeldame „Chili“
beleben die Szene. Im Haus finden sich Lebensspuren von Reisen und von
den beiden Teenager-Töchtern, die während der Hälfte der Woche bei ihm
leben. Die Musik hat ihren festen Platz im alten Stickereilokal, dem
einzigen hohen Raum im Gebäude. Hier hängen Gong und Balaphon, stapeln
sich Wasserkürbisse und lassen sich allerlei vertraute, aber auch
seltsame Perkussions-instrumente entdecken. Ein schwarzes Alphorn aus Karbon ist Raubers neueste und teuerste Errungenschaft.
Wirtefamilie Aufgewachsen
ist Rauber in Degersheim als Kind von Wirtsleuten. Alle vier
Geschwister lernten ein Instrument, aber Ferdi lag das Üben nicht
besonders. Es war nicht einfach, mit dem Vater unter einem Dach zu
leben, und Ferdinand wollte sobald wie möglich weg. Per Anhalter reiste
er nach Amsterdam, Rimini und Stockholm, später im VW-Käfer nach Nepal.
Es war die Hippie-Zeit, als eine ganze Generation die Welt neu erfand
und vieles möglich war. Dank Hochkonjunktur fand sich zu Hause leicht
für ein paar Monate Arbeit. Die zweite Reise führte in einen Kibbuz
nach Israel, dann auf dem Landweg nach Indien. Rauber begann, sich für
Musik zu interessieren. Während Wochen übte er das Spiel auf der Tabla,
den indischen Trommeln mit den melodiösen Bässen und dem
unnachahmlichen Klangreichtum, und nahm dafür in Indien die ersten
Musikstunden.
Ordnung ins Leben Nach der
zweijährigen Reise wurde Ferdinand Rauber zum ersten Mal Vater. «Mit
der eigenen Familie kam Ordnung ins Leben», schildert er die grosse
Veränderung. Das Haus, in dem Rauber heute noch lebt, wurde gekauft,
und er machte sich mit einer Firma für Erdbohrungen selbständig. Für
Musik blieb wenig Zeit.
Neue Richtung
Mitte der
80er Jahre wendete sich das Blatt aufs Neue. Im «Bahnhöfli» in
Lichtensteig traf sich die «Bauchtanzszene», und Djembes wurden
gespielt. «Meine Ohren wurden immer grösser, ich suchte Klänge und fing
an zu improvisieren». Mit Patrick Ferber am Keyboard begleitete Rauber
Filme und Lesungen mit Gongs und Klangschalen. Mädir und Lena Eugster
und ihr Tanztheater Rigolo, das in Bunt bei Wattwil beheimatet ist,
brachten wichtige Impulse ins Tal. Rauber wirkte als Musiker bei
Freiluftaufführungen von Rigolo mit. In dieser Zeit lernte er Peter
Roth kennen, der ihn später für die «KlangWelt» an Bord holte.
Still und wach Ferdinand
Rauber ist keiner, der selbst grosse Unternehmungen anstösst. Als
Perkussionst unterstützt er Projekte, die an ihn herangetragen werden,
mit seinen Klängen. Das entspricht seinem Temperament und seiner
stillen, wachen Art. Es brauchte Mut, die Firma aufzugeben und sich
ganz auf die Musik zu konzentrieren. Inzwischen ist er an den
verschiedensten Musikprojekten beteiligt gewesen, mehrheitlich aus der
Ostschweiz, die ein gutes Biotop für Musiker zu sein scheint. «Ich kann
darauf vertrauen, dass immer wieder neue Projekte kommen. Es ist ein
Fluss da». Noch immer begleitet Rauber live Workshops für arabischen
Tanz; er führt fünf Djembegruppen, und mit einem befreundeten Pfarrer
bringt er meditative Klänge in Gottesdienste. Mit Urs C. Eigenmann und
Malcom Green entstanden CDs mit funkigen Songs. Gerade ist gemeinsam
mit Baba Bimbam aus Teufen eine Produktion mit indischer Musik
erschienen. Blues und leichter Jazz ist zu Hören, wenn er mit der Noldi
Tobler - Band auf der Bühne steht.
In der «misa criolla» wirkte
Rauber zum ersten Mal an einer Komposition von Peter Roth mit. Der
Kontakt blieb über die Jahre erhalten. Später wurde Rauber für eine
Mitarbeit am Klangweg angefragt. «Als Perkussionist ist man ständig auf
der Suche nach neuen Tönen und Klängen, immer am Tüfteln.» Der Klangweg
verdankt Ferdinand Rauber die wunderbare Installation «Felsentöne», wo
Löcher in den Felsen wie Digeridoos klingen, sowie die neu geschaffene
«Klangkugel», eine Art dreidimensionales Xylophon.
Eindrücke In
Raubers Biografie gibt es mehr Übergänge als Brüche. Er streift durchs
Leben und durch die Musik, nimmt auf, was ihm unterwegs an Eindrücken
begegnet. Als «Lebenskünstler, Mensch, Vater» (aus der Website)
versucht Ferdinand Rauber, dem Leben aufmerksam zu begegnen, seine drei
Kinder gut zu begleiten, der Vielschichtigkeit der Welt gerecht zu
werden. Und er hat erfahren, dass er dem Fluss und dem langsamen
Wachsen der Dinge trauen kann.
Tabla, Djembe, Obertöne – Die Klangwelt des Perkussionisten Ferdinand Rauber Die alte Stickerei ist von Reben umrankt. Überall hängen riesige Windspiele, die aus Holzscheiten und Steinen angefertigt sind. Singendes Holz, sprechende Steine – die Welt ist Klang, hier am Ende der Welt in Necker im Toggenburg. – Begegnung mit Ferdinand Rauber, Musiker, mit dem zusammen ich Gottesdienste und Meditationen gestalte.
Von Andreas Fischer
Die Idee, solche Windspiele herzustellen, ist Ferdis eigene. Sie ist Ausdruck seines Wesens. Im Gespräch schürft er nach Worten, die von tief unten kommen. Ferdi ist kein geschliffener Typ. Er liebe die Natur, und er liebe die Wahrheit, sagt er. In der Musik, ebenso wie auf Reisen, in der Religion und überhaupt im Leben, suche er das Ehrliche. „Man muss da wach sein, man linggt sich schneller als gedacht.“
Das Drängen zum eigenständigen Ausdruck gehört von Kindesbeinen an zu Ferdinand Rauber. Im Gegensatz zu seinen vier Geschwistern lernte er kein Instrument. Er hatte einfach keine Lust dazu. Die Hausaufgaben waren ihm mühsam genug. Und während seine Geschwister eins nach dem anderen ihre Instrumente wieder weglegten, entdeckte er das Trümmele. Aus einer Degersheimer Clique entstand die erste Band. Ferdi spielte Conga. “Ich hatte davon zwar keine Ahnung, aber dafür ein ungebrochenes Selbstvertrauen. Es war eine schöne Zeit. Mit einem alten Käfer, fuhren wir übers Wochenende an den Neuenburgersee, oder wir hielten in einer verwitterten Ruine im Wallis eine Session ab. Flowerpower halt, späte 60er-Jahre.“
Dann, nach den ersten Jahren im Beruf, beschloss Ferdi zusammen mit einem Freund, er „wolle noch mehr von der Welt sehen“. Dem Freund gehörte der Käfer, Ferdi hatte etwas Geld gespart, also fuhr man – mit Deutsch- und mangelhaften Französischkenntnissen – los Richtung Nepal. Ein halbes Jahr waren die beiden unterwegs, Englisch lernten sie mit einem Wörterbuch und ein paar Romanen. Reisen nach Indien
Es folgten weitere Reisen, u.a. eine zweijährige, die in einem Kibbuz in Israel begann und über den Landweg nach Indien führte. „Indien ist das Land geworden, in dem ich mich wohl fühle. Dort nahm ich auch erstmals Tabla-Stunden und lernte, was es heisst, an einem Instrument zu bügeln.“
Was er gesucht habe auf seinen Reisen, frage ich. „Das erste Mal bin ich einfach reifer geworden. Ich bin erstmals aus der Schweiz rausgekommen, das hat meinen Horizont aufgeweitet. Später interessierte mich vor allem die Musik. Ich suchte auch nach einem Ashram, einem Kloster, um Yoga und Meditation zu erlernen. Aber das ergab sich irgendwie nie.“
Indien ist auch der Ort, wo sich Ferdinand Rauber in Umbruchzeiten jeweils Gedanken über die Zukunft gemacht hat. Vor ca. zwanzig Jahren – Rauber war inzwischen verheiratet und Vater eines Sohnes geworden – spürte er, dass eine berufliche Neuorientierung anstand. Nach der Rückkehr von einem dreimonatigen Indienaufenthalt stieg er in ein Geschäft für Erdbohrungen ein, machte sich bald darauf selbständig und kaufte das Haus in Necker, in dem er seither lebt. Die Ehe ging auseinander, Ferdinand lernte seine zweite Lebenspartnerin kennen, mit der er zwei Töchter hat. Vor zehn Jahren beschloss Rauber, den Sprung in die Berufsmusik zu wagen. Seither arbeitet er zusammen Peter Roth, Malcolm Green und anderen. Er erteilt Djembeunterricht, verkauft und repariert Trommeln. Zu fünfzig Prozent ist er „Vater und Mutter“ seiner Töchter. „Das klappt wunderbar. Ich geniesse es, so nah bei den Kindern zu sein. Welcher Vater muss schon schauen, dass seine Kinder ihre Ufzgi machen?“
Es fliessen lassen
Kay, der Sohn aus erster Ehe, ist ein guter Perkussionist und Schlagzeuger. Oftmals jammen Vater und Sohn zusammen. „Von nichts kommt es nicht“, sagt Ferdi. „Vor ein paar Jahren kam vom Grossvater eine Ehrenurkunde des Tambourenvereins zum Vorschein. Und auch mein Vater war bei den Tambouren.“
Das Telefon läutet, die Töchter haben Hunger. Es ist Zeit, das Gespräch zu beenden. Doch die wesentlichen Fragen sind noch nicht gestellt. Also: „Was meinst du mit deiner Musik?“ Wenn er reise, ertastet Ferdi seine Antwort, dann lasse er sich treiben, er spüre, wo es ihn hinziehe, er achte auf Zeichen. Darauf komme es auch bei der Musik an: es fliessen zu lassen. „Und was gibt dem Strom die Richtung?“, frage ich nach. „In der Musik und im Leben suche ich Harmonie“, sagt er. „Man kann mit Musik aufkratzen. Doch das ist nicht mein Weg. Ich suche die wohltuenden Klänge.“ Ich bemühe mich, meine letzte Frage ohne pastoralen Touch zu stellen: „Deine Musik – das ist doch Religion?“ Noch einmal tastet Ferdi: „Was ich im Yoga gesucht habe, finde ich wohl in der Musik. Sie hat etwas Heiliges, sie berührt etwas in mir, das weiter ist als ich. Ich bin ein gläubiger Mensch, doch ohne Religion. Ich habe einen Glauben ans Natürliche, ans Wahrhaftige – und somit wohl irgendwie an Gott.“